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6. Dezember 2017
Eine risikoarme Anlagestrategie

Hier möchte ich Ihnen eine Anlagestrategie vorstellen, mit der Sie garantiert ruhig schlafen. Sie geht über das Thema Dividendenaktien hinaus. Da jedoch die meisten Dividendenliebhaber eher vorsichtig sind, könnte Sie das Thema interessieren.

Die Strategie ist nicht darauf ausgelegt, einen möglichst hohen Vermögenszuwachs anzustreben. Es geht primär um eine schwankungsarme Anlage, die langfristig inflationsbereinigt ein leichtes Wachstum bietet. Es ist also für Anleger gedacht, die in erster Linie ihr Vermögen erhalten wollen und langfristig mit einem leichten Zuwachs zufrieden sind.

Vor einiger Zeit bin ich per Zufall über einen inzwischen verstorbenen US-amerikanischen Autor gestolpert. Er hiess Harry Browne, war Finanzexperte, Schriftsteller und Politiker. Zweimal hat er für die Liberale Partei Amerikas fürs Amt des US-Präsidenten kandidiert, natürlich erfolglos, aber immerhin.

Er hat in seiner Laufbahn zahlreiche Bücher verfasst (über 2 Millionen verkaufte Exemplare), darunter eines mit dem Titel „Fail-Safe Investing – Lifelong financial security in 30 minutes".
Darin führt er 17 zeitlose Grundregeln für sicheres Investieren auf. Das Kernstück des Buches ist die Regel Nr. 11.

Mister Browne stellt hier folgende Anforderungen an eine Geldanlage:

 

  1. Sicherheit
    Das Depot sollte Sie in jedem möglichen wirtschaftlichen Szenario schützen. Sie sollten in wirtschaftlichen guten Zeiten profitieren, aber auch geschützt sein in Zeiten von Inflation, Rezession oder sogar Depression.
  2. Stabilität
    Egal welches wirtschaftliche Klima herrscht, die Performance Ihrer Geldanlage sollte dermassen stabil sein, dass Sie gar nicht auf die Idee kommen, etwas zu ändern. Sogar in wirtschaftlich verheerenden Situationen sollte der Wert Ihres Depots nicht oder nur wenig fallen.
  3. Einfachheit
    Das Depot sollte dermassen einfach zu handhaben sein, und so wenig Ihrer Zeit beanspruchen, dass Sie niemals nach etwas noch einfacherem und noch sicherem Ausschau halten.

Er argumentiert, dass es genau vier übergeordnete ökonomische Phasen gebe;
Prosperität, Inflation, Deflation und Geldknappheit. Egal was auf der Welt passiere, eine dieser Phasen dominiere immer.

Auf dieser Basis soll man ein Depot mit vier Anlageklassen zusammenstellen, von denen mindestens eine in jeder Phase gut abschneidet. So sollen allfällige Verluste bei anderen Anlageklassen mindestens neutralisiert werden.
Da die Weltwirtschaft langfristig wächst, entstünde kein Nullsummenspiel, sondern ein leichter Vermögenszuwachs.

 

Aktien,
laufen gut in Zeiten von Prosperität, verlieren aber bei Inflation, Deflation und Geldknappheit.

Staatsanleihen,
rentieren in Zeiten von Prosperität, aber auch wenn die Zinsen einbrechen, bei Deflation. Bei Inflation und Geldknappheit hingegen verlieren sie an Wert.

Gold
verteuert sich vor allem bei Inflation. Prosperität, Geldknappheit und Deflation hingen sei schlecht für Gold.

Bargeld,
Bargeld (Bankkonto oder auch Geldmarktanlagen) ist die beste Anlage in Zeiten der Geldknappheit und bei Deflation. In einer prosperierenden Phase sei Bargeld neutral, während es der grosse Verlierer bei Inflation sei.

Der Autor schlägt vor,  je einen Viertel des Kapitals in jede dieser Anlageklasse zu investieren.

Die Zusammensetzung sollen Sie einmal jährlich überprüfen. Sobald eine Anlageklasse mehr als 35%  oder weniger als 15% des Gesamtdepots ausmacht, sollten Sie sie ausgleichen.

 

Funktioniert das auch in der Praxis? In seinem Buch hat Harry Browne die Performance eines solchen Depots für den Zeitraum 1970 bis 2002 für Anlagen im USD aufgeführt.

Dieses Depot setzt sich folgendermassen zusammen.

-S&P 500 Indexfonds.
-30-year-T-bond (US-amerikanische Staatsanleihe mit 30 Jahren Laufzeit)
-American Eagle 1-ounce coins. (1-Unzen Goldmünzen American Eagle)
-Der Baranteil wurde jeweils anfangs Jahr in einen 1-Jahres Treasury bill (kurzfristige Staatsanleihe) investiert

Ich verzichte darauf, hier die Resultate jedes einzelnen Jahres darzustellen. Aber ich kann Ihnen verraten, dass die Performance erstaunlich gut war.  Allerdings mit der Einschränkung, dass sie nominal ausgewiesen wurde, also nicht inflationsbereinigt. Da die US-Inflation gerade in den 70er-Jahren sehr hoch war, sind die realen Resultate nicht ganz so gut.

Doch die Vereinigten Staaten sind weit weg und der untersuchte Zeitraum liegt weit in der Vergangenheit.

Was uns viel mehr interessiert: Funktioniert die Strategie auch in Europa? Wie waren die Resultate in der jüngeren Vergangenheit?

Wir haben für den Zeitraum 2000 – 2017 mit Schweizer Anlagen ein fiktives Fail Safe Depot zusammengestellt. 

In jeder Anlageklasse steckt 25% des investierten Kapitals. Die Renditen sind real, dh. um die Inflationsrate bereinigt. Nicht berücksichtigt sind allfällige Steuerbelastungen.

Vor 2010 existierten für den Schweizer Markt leider noch keine geeigneten ETF's um diese Strategie vollumfänglich abzubilden. Daher sind die ausgewählten Anlagen ein Flickwerk. Entsprechend sind die Resultate nicht exakt, sie zeigen aber dennoch recht genau wie sie ausgesehen hätten.

Bis 2010 war der Aktienteil in einen ETF auf den SMI „investiert“, der Anleihenteil bis 2004 in eine Staatsanleihe des Kantons Luzern (99 – 11, 3%), danach in den ETF SBI Gov. 7-15.
Bei Gold haben wir bis 2006 den Spotpreis in CHF abgebildet, dann bis Ende 2009 einen ZKB ETF in CHF.

Seit 1.1.2010 setzt sich das Depot aus dem ishares ETF auf den SLI (Aktien), dem ishares ETF Swiss Domestic Government Bond 7-15 (Anleihen), dem ishares ETF Gold CHF hedged CHF (Gold) und Bargeld (Verzinsung 0%) zusammen.

 

Jahr Rendite
Jahr Rendite
2000  +0.6% 2009 +10.6%
2001
-3.7%
2010
+7.1%
2002
-3.7%
2011
+1.7%
2003
+3.6%
2012
+6.5%
2004 +1.0% 2013 -3.2%
2005 +18.3% 2014 +3.9%
2006 +3.5% 2015 -1.8%
2007 +0.8% 2016 +0.5%
2008 -7.6% 2017 (5.12.) +4.8%

 

Man sieht sofort, dass das Ziel der Fail Safe Strategie vollauf erfüllt wurde. Ein explosives Vermögenswachstum kann ein solches Depot nicht bieten. Aber eine tiefe Volatilität und über die Zeit ein solider Vermögenszuwachs.

Für Deutschland haben wir ebenfalls ein fiktives Depot zusammengestellt (Aktien: Deka DAX UCITS ETF, Anleihen: Deka Eurogov Germany 10+ UCITS ETF, Gold: db Physical Gold Euro Hedged ETC). Es reicht bis ins Jahr 2011 zurück und hätte bis heute ähnliche Resultate wie die Schweizer Version geliefert.

Natürlich könnte man ein solches Depot variieren. Für den Aktienanteil könnte man beispielsweise anstelle eines ETF auch eine Auswahl qualitativ hochwertiger Dividendenaktien kaufen. Ebenso sind Variationen bei den Anleihen oder auch  dem Edelmetall denkbar.

Wer sich für eine solche Hochsicherheits-Strategie entscheidet, muss eines immer beachten: Bleiben Sie der Strategie treu, egal was kommt! Nur so haben Sie Aussicht auf Erfolg.

Möchten Sie mehr Informationen darüber? Bei amazon.de (Direktlink) können Sie das Buch kaufen, es kostet ca. 15 Euro. Allerdings ist es nur auf Englisch erhältlich.
Alternativ können Sie auch eine neuere Version (Titel: The Permanent Portfolio) erwerben. Sie stammt aus dem Jahr 2012, ist aber nicht von Harry Browne verfasst worden. Die Autoren (Craig Rowland und J. M. Lawson) nehmen die Ideen auf und erklären wie die Strategie in der Praxis umgesetzt werden kann.
Die Bücher sind für US-Amerikaner geschrieben. Man kann deshalb in Europa nicht alles 1:1 in die Praxis umsetzen. Dennoch bieten sie interessante Erkenntnisse und sind auch für Europäer lesenswert.

Viel Erfolg beim Investieren wünscht Ihnen

Christian Pickel